Tourismus Anfänge

Webside zuletzt Aktualisiert am: Samstag, 18. August 2018

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Die Anfänge des Tourismus auf Rhodos:


Jedes Jahr kommen tausende von Touristen aus aller Welt nach Rhodos, mit dem Flugzeug oder per Schiff. Manche nehmen auch den Landweg mit dem Auto um dann mit der Fähre überzusetzen.
Die meisten verbringen eine oder mehrere Wochen auf der Insel, und die Besucher von Kreuzfahrtschiffen nur ein oder zwei Tage. Ganz Rhodos lebt vom Tourismus, die Hotels und Pensionen, die Geschäfte und Restaurants, die Autovermietungen und die Bootsbesitzer mit ihren Bootstouren. Und nicht zu vergessen all die, die das alles Logistisch und Handwerklich unterstützen, alle verdienen in den Monaten der Hauptsaison ihr Geld.
Das war aber nicht immer so. Rhodos war früher, touristisch gesehen, eine verschlafene Insel.
Aber zunächst gehen wir erst mal ganz weit zurück, in die Antike. Damals wurde Rhodos hauptsächlich von Händlern besucht, die ihre Waren anboten und andere mitnahmen, nur wenige übernachteten dann in Herbergen sondern schliefen auf ihren Schiffen. Die reisenden die länger blieben und dort keinen Geschäften nachgingen waren damals Gelehrte.
In der Zeit der Osmanischen Herrschaft gab es schon einen leichten Tourismus mit hauptsächlich Griechen aus Ägypten die ihre Sommerferien auf Rhodos verbrachten. Sie sind damals für den Bau des Suez Kanal nach Ägypten gegangen und haben dort eine Kolonie gegründet. Um die Sommermonate in der alten Heimat zu verbringen kehrten sie jedes Jahr auf die Insel zurück.
Das alles kann man wahrhaftig noch nicht als Tourismus bezeichnen und änderte sich erst radikal mit der Übernahme der Insel durch die Italiener 1912.
Nach dem sogenannten „Marsch auf Rom“ und die Machtübernahme Mussolinis wurde Rhodos und andere Dodekanischen Inseln offiziell dem Italienischen Reich zugehörig und ein Umsiedlungsprozess Italienischer Auswanderer begann. Gleichzeitig sollte Rhodos als Touristenort ausgebaut und etabliert werden.
Das Bildungsministerium in Rom hatte extra einen Lehrstuhl für Tourismusökonomie an der Universität eingerichtet. Man wollte Rhodos mit der Kolonialisierung zu einem der begehrtesten Touristenziele der damaligen Zeit machen.
Mario Lago, der von 1922 – 1936 Gouverneur der Ägäischen Inseln war, erkannte schon bevor er mit dem Bau des neuen Rhodos begann die Wichtigkeit der Propaganda und gründete das Propaganda und Tourismusbüro von Rhodos unter der Leitung von Franco Benetti, mit der Aufgabe die Insel als Reiseziel bekannt zu machen. Vor allem in Ägypten verbreitete man das neue touristische Bild von Rhodos, obwohl es 1924 noch gar nicht existierte. 
Die ersten Pläne waren, der aus und Umbau des Hafens um ihn schneller, bequemer und komfortabler zu gestalten. Bestehende Gebäude für neue Aufgaben umzubauen und für den Fremdenverkehr neue zu entwickeln. Ein weiterer Bestandteil war die Schaffung und Stärkung von Industriezweigen des Touristischen Handels für Souvenirs wie Keramik, Teppichen und Stickereien.
Neben den vielen Bautätigkeiten ab den 1923er Jahren die nicht nur die Infrastruktur mit neuen Straßen und Brücken so wie ganze Gebäudekomplexe, Stadtteile und Musterdörfer beinhaltete, wurden auch die ersten größeren Hotels gebaut. Um 1925 begann man mit dem Bau von Unterkünften für eine Bescheidene Kundschaft, die Hotels wurden insbesondere in der Gemeinde Rhodos errichtet, in Reichweite des Badeorts Trianda, den Thermen von Kalithea und dem Monthe Smith.  Die ganze Insel musste damals wie eine einzige große Baustelle ausgesehen haben und war 15 Jahr später so gut wie fertiggestellt. Das erste von der Italienischen Regierung Finanzierte Hotel war das Grande Albergo delle Rose über dessen Pläne sich Mario Lago schon 1924 aussprach und befürwortete. Auch die Bausumme war schon mit 4.500.000 Italienischer Lira berechnet.
1927 eröffnetet dann das Luxuriöse Hotel Grande Albergo Delle Rose an der Spitze von Rhodos Stadt ihre Pforten. 1928 kamen die Hotels Alberghi Regina, Savoia und Rosetta in der unmittelbaren nähe des Mandraki Hafens dazu. In Ixia wurde dann zur gleichen Zeit das Grand Hotel Miramare eröffnet. Um die Insel nicht nur als Badeort sondern auch als Bergort zu fördern arbeitete der Architekt Petracco zwischen 1927 und 1928 an dem Hotelprojekt Albergo del Cervo auf dem Berg Sant Elia, dessen Name während des Hotelbaus auf Profiti Ilias geändert wurde. Die hohe Lage von 798 m ü.dM versprach mit ihren Pinien und Zypressenwäldern eine gesunde Luft, eine angenehme Sommerkühle und einen herrlichen Panoramablick.  Die touristische Saison Begann für das Hotel Im Sommer 1930, heute ist es wieder restauriert und als Elafos Hotel bekannt.
Damals kamen Touristen meist mit dem Schiff auf die Insel, oder landeten mit einem Wasserflugzeug am Mandraki Hafen der dafür extra eine Anlegestelle besaß. Die ersten  Touristen kamen meist aus Italien, Griechenland, Ägypten und aus der Levate (Die Heutigen  Staaten Syrien, Libanon, Israel, Jordanien sowie der palästinensischen Autonomiegebiete und der türkischen Provinz Hatay). Im Jahre 1929 machten auf den Ägäischen Inseln 20.000 Italiener Urlaub und in den 30er Jahren mit der Zuzählung der anderen Herkunftsländer waren es 50.000 Besucher pro Jahr. Über 60.000 waren es dann 1934 und es steuerten mehr als 60 Kreuzfahrtschiffe aus Italien, England, Ägypten und sogar aus Indien den Hafen von Rhodos an. Zwischen 1934 und 1938 hatten sich die Zahlen sogar noch verdoppelt.
Der ganze Tourismus spielte sich zunächst in Rhodos Stadt ab,  hier gab es die meisten Hotels, die Badeanstalt Elli Beach, Geschäfte, Restaurants und Sehenswürdigkeiten, wie die restaurierte Altstadt. Wer wollte konnte auch einen Ausflug ins Insel innere machen, zu den Thermen von Kalithea oder Lindos. Doch für den Zeitvertreib der Touristen musste noch einiges getan werden. Mit Tennis und Golfanlagen wurde der Sport gefördert, der Rodini Park mit seinem Flusslauf und der üppigen Vegetation wurde als öffentlicher Park gestaltet. In Rhodos Stadt wurden wöchentlich Tanzpartys abgehalten zudem gab es Kino und Theater Veranstaltungen. Rhodos wurde nun in ein Bade und Vergnügungsort umgewandelt wo sich die Reichen und Prominenten trafen. Um den Gästen ein noch Luxuriöseres Baden am Meer zu ermöglichen wurde in der nähe des Regierungsgebäude am Ende des Mandraki Hafens das Badehaus La Ronda gebaut das mit einem Restaurant und einer Tanzfläche für Musikveranstaltungen ausgestattet war. Der Strandabschnitt von La Ronda grenzte direkt an das von Hotel Grande Albergo delle Rose und war durch einen Zaun getrennt. Eine weitere Attraktion der Badeanstalt war ein Beton Sprungbrett mitten im Meer das bis Heute genutzt wird.
Die Besucherzahlen stiegen und es kamen nimmer mehr Hotels dazu, Das Albergo delle Terme das 1937 eingeweiht wurde oder das Hotel Pindos in Rhodos Stadt.
In der Neustadt, in der nähe des Mandraki Hafens, in der damaligen Strasse Via Generale Ameglio (Heute Ethnarchou Makariou) gab es gleich drei Hotels, das Savoy aus dem Jahr 1927, das Savoia das vom Architekten Armando Barnabiti im internationalem Stil entworfen wurde und Heute als Hotel Regina geführt wird, so wie das Hotel Rosetta das im Gegensatz zu den anderen sehr bescheiden und einfach war und Heute nicht mehr existiert und durch ein neues Hotelgebäude ersetzt wurde.

Ein wichtiger Faktor für den Erfolg des Tourismus war auch die Infrastruktur mit ihrem Straßennetz und Hafenanlagen. Es gab bei der Übername der Insel durch die Italiener nur wenige und schlecht gepflegte Straßen auf Rhodos, gerade mal knapp 30km waren es. Durch große Bautätigkeiten vergrößerte sich das Straßennetz 1929 auf 302.700 km. Der Italienische Touring Club veröffentlichte 1931 den ersten Straßenführer den man auch als den ersten Reiseführer von Rhodos bezeichnen könnte und das Interesse von Reisenden auf die Insel weckte.
Die Hauptstraße ging entlang der Küste, von Rhodos Stadt nach Kalithea, Afandou, Archangelos, Malona bis zur Kreuzung vor Lardos mit der Abzweigung nach Lindos, die dann weiterführte nach Gennadion und Katavia. Weiter ging es dann auf der anderen Inselseite Richtung Tholos, Soroni, Fanes und Kalavarda. Weitere Querstraßen gingen ins Landesinnere um auch für die Touristischen Bedürfnisse die Verbindungen der verschiedenen teile der Insel zu ermöglichen. Mit dem Ausbau des Straßennetzes entwickelte sich auch die Mobilität auf der Insel. Während es im Jahr 1923 nur weniger als ein Dutzend Autos auf der Insel gab, waren es 1936 über 400 Fahrzeuge. Laut Anmeldebehörde waren es zu der Zeit 300 Private und Staatliche Wagen, 160 Transportwagen und 50 Busse. Dazu gab es noch 160 Motorräder.
Dieses neue Straßennetz war auch für das Wachstum der Landwirtschaft ein wichtiger Bestandteil und verband die vier neuen Italienischen Siedlungen miteinander. In diesen Jahren entwickelten sich auch der Busverkehr und wurden durch die S.I.T.A.R, der Italienischen Automobil Transport Company Rhodos, ermöglicht, sie wurde dann 1940 durch die E.M.S.A ersetzt (Municipal Agency for Automotive Services)
Die Strecken waren Damals:
 
Rhodos – Kattavia;
Lindos – Rhodos;
Rhodos – Monolithos – Apollakia – Genadi;
Rhodos – Koskinou – Caldea – Psinthos;
Rhodos – Trianda – Villanova – Peveragno;
Flughafen Rhodos – Cremasto – Maritza;
Rhodos – Salaco – Apollonia – Campochiaro;
Rhodos – Trianda - Cremasto – Villanova.

( Damals hatten viele Orte einen anderen Namen oder Schreibweise.)
Trianda = Ialysos
Villanova = Paradisi
Cremasto  = Kremasti
Salaco = Salakos
Apollonia = Apollona
Campochiaro = Eleousa


Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Transports und der Ankunft der Touristen war der Hafen. 1920 war der Hafen  völlig veraltet und für den Modernen Schiffsverkehr nicht zu benutzen. Die geringe Wassertiefe und die Anlegestellen die sich direkt an der Mittelalterlichen Stadtmauer befanden waren für die neuen großen Passagierschiffe und Frachter nicht geeignet. Ein ausheben des Hafenbeckens war dringend erforderlich und die Ausweitung der Kaimauern weg von der alten Stadtmauer und weiter ins Hafenbecken und Meer wurde in Angriff genommen.
 1936 wurde am Hafen auch ein Zollflughafen eingerichtet an dem Wasserflugzeuge anlegten.


Schon Anfang der 30er Jahren wurde beschlossen einen Flughafen zu bauen um nicht nur auf die Nutzung von Wasserflugzeugen angewiesen zu sein. Die Imperial Airways flog seit Mitte der 20er Jahre ab Samstags von London mit Zwischenstopp in Paris, Brindisi nach Athen, Rhodos, Limassol in Galiläa (Heute Palästina), Bagdad, Basra im Irak und kamen in Karachi zu ihrem Zielort an um dann umgekehrt die Strecke wieder zurück zu fliegen.
Auch Air Italiano flog mit ihren Wasserflugzeugen die Strecke Rom, Brintizi, Athen, Rhodos, Haifa mit einer Kapazität von 12 bis 18 Passagieren.
Als Standort für den neuen Flughafen wurde Tal von Maritsa ausgewählt, dessen Bodenbeschaffenheit zunächst eine aufwändige Entwässerungsaktion notwendig machten.
Nach der Eröffnung wurde der Flughafen, der damals den Namen Filerimos trug, von der Staatlichen Fluggesellschaft des faschistischen Italiens ALA Littorio und des Niederländischen Unternehmens KLM angeflogen.
1938 wurde der Flughafen dann für Militärische Zwecke erweitert.
In den Jahren des zweiten Weltkriegs gingen die Touristenzahlen immer weiter zurück, und die insel wurde immer mehr zu Militärischen zwecke genutzt. Die Zeiten wurden schlechter und viele der Italienischen Siedler verließen die Insel.
Nach den schweren Zeiten im Krieg wurde Rhodos und der rest der Dodekanes wieder Griechenland zugeschrieben. Die Besucherzahlen waren zu der Zeit immer noch rückläufig und viele Hotels wurden geschlossen oder wurden zu anderen Zwecken umfunktioniert. Schon 1945 wurde das Hotel Thermae in Rhodos Stadt zu einem Krankenhaus und ist Heute der Sitz der Tourismus Schule. Auch das Grande Albergo delle Rose musste 1970 schließen.
In den Jahren nach dem Krieg kamen wieder viele Griechen zurück nach Rhodos, Gebäude wurden wieder aufgebaut, Restaurants eröffnet und auch wieder Hotels gebaut, die auf den Pauschaltourismus zugeschnitten wurden. In den 50er Jahren eröffnete das Hotel Mira Mare seine neuen Gebäude in Ixia der Gemeinde Ialysos. Das Hotel wurde schon 1928 betrieben und hat die Zeit bis Heute überstanden. 2002 wurde auch das renovierte Grande Albergo delle Rose wiedereröffnet

Wegen der Notwendigkeit der langsam wieder steigenden Touristenzahlen wurde 1977 dann der neue Flughafen bei Paradisi in betrieb genommen und 2007 wurde dann ein neuer Terminal gebaut.
In den folgenden Jahrzehnten bis Heute wurden immer mehr und größere Hotelanlagen errichtet und sind meist kein schönes Bild in der Landschaft. Jahr für Jahr gab es neue Besucherrekorde, große Kreuzfahrtschiffe aus allen Ländern legen jeden Tag im Hafen von Rhodos an und Freizeitangebote jedweder Art schießen aus dem Boden. 2011 kamen über 16 Millionen Touristen auf die Insel und im Anfangsjahr der Kriese rutschte es auf knapp 15 Millionen ab. Doch die vielen Menschen die sich mit Griechenland verbunden fühlten ließen die Besucherzahlen im Folgejahr wieder auf 17 Millionen ansteigen. So stiegen die Zahlen jährlich an, nicht zuletzt wegen der vielen Krisenherde in anderen Urlaubsländer und waren 2016 auf 27.500.00. Doch mit der Art Tourismus wie es die Italiener angestrebt und umgesetzt hatten hat all das nicht mehr viel zu tun. Der Massentourismus mit immer mehr Besuchern, immer größer werdenden Hotels, überfüllte und überteuerte Sehenswürdigkeiten und reihenweise Souvenir Geschäften bestimmen Heute das Bild.
Die Beschaulichkeit der 30er Jahren kann man nur noch erahnen, an den alten verfallenen Gebäuden jener Zeit die man überall auf der Insel findet aber auch wieder erleben durch ihre Restaurierung, wie die Therme von Kalithea oder das Hotel Elafos auf dem Profiti Ilias.

Die Zeit kann man nicht zurückdrehen und die Weiterentwicklung kann man nicht aufhalten, man kann sie jedoch beeinflussen, schon in der Art wie man seinen Urlaub bucht und wie man ihn auf der Insel verbringt. Auch wenn die großen Reiseveranstalter die Wege vorgeben, muss man ihnen nicht folgen und kann durch eine individuelle Art des Urlaubs Vorbild sein. Schon das erkunden der Insel, mit seinen wechselnden Landschaften, den kleinen Dörfern und ihren ursprünglichen Tavernen, den kleinen Läden und Straßenhändlern mit ihren Traditionellen Produkten gibt den Menschen der Insel so viel mehr als der reine Hotelurlaub mit angeschlossenen Strand.
Wer sich auf die Insel und die Menschen einlässt wird es bestätigt bekommen.
Du kommt als Fremder und gehst als Freund.
 

Weiteres zu diesem Thema:

[Tourismus Anfänge] [Albergo delle Rose] [Hotels der 30er] [Elafos & Elafina]

 

 

 

Grande Albergo delle Rose
Das Grande Albergo delle Rose war nicht nur ein Luxushotel sondern auch das Zugpferd für die Anfänge des Tourismus.
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Elafos & Elafina sind die Namen zweier Hotels auf dem Profiti Ilias die so aussehen als würden sie aus den Alpen stammen und das ist auch nicht ganz Falsch, denn sie wurden von den Italienern während ihrer Besatzung von Rhodos gebaut.
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Auf den Profiti Ilias, mitten im Wald. in der nähe vom Elafos Hotel gibt es eine Art verwunschenen Ort.
Ein Gebäude das im Volksmund Villa Mussolini heißt.
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Bella Rodi
Wie Rhodos sein Italienisches Gesicht bekamBella Rodi
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In der nähe von Kattavia stehen die Reste einer alten Seidenfakrik, so steht es jedenfalls auf dem Schild. Doch dieses Gebäude hat noch eine andere unschöne Vergangenheit.
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Zwischen den Jahren 1929 und 1936 entstanden auf Rhodos, unter der damaligen Italienischen Kolonialherrschaft, vier Siedlungen, auf dem Reißbrett entworfen und gebaut.
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Die Weltausstellung von 1911 auf Rhodos,
wenigstens ein Teil davon.

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Das Dorf Campochiaro wird man auf keiner Rhodos Karte finden doch es ist auf der Insel bekannt unter dem Namen Eleousa.
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